21.04.2011
der Pavillon macht einen Ausflug in Düsseldorf zur Immermannstraße / Ecke Charlottenstraße
die Fragen sind:
Wer pflegt die Stadt?
Und wie pflegt man seine Stadt?


Der Ausflug
Der Pavillon macht einen Ausflug. An einen Ort, den sich die meisten Menschen nicht dafür aussuchen würden: Er wird auf der Immermannstraße Ecke Charlottenstraße aufgebaut. Vor einem Siebzieger-Jahre-Bau, der sicher einmal chic wirkte. Jetzt sieht das Hochhaus etwas herunter gekommen aus. Es erstaunt, dass Leute an einer Säule Blumen für die Opfer des Tsunami und der Atom-Katastrophe in Fukushima niedergelegt haben. Ein bunter Tupfen in der Tristesse, allerdings sind die Blumen längst verblüht. Keiner hat sie erneuert, wie auch keiner etwas an diesem Ort erneuert.
Doch heute verändert sich was. Der Pavillon markiert den Ort. Ein japanisches Symbol für Wasser wird von der Künstlerin Anne Sievert halbkreisförmig auf den Pavillon zulaufend mit Kreide auf das Pflaster gemalt. Dazwischen erblüht ein japanisches Blumenmuster, harmonisch und sowohl klar wie auch verspielt.
Die ersten Leute halten inne, fragen, was da passiert.
Am Pavillon sind Karten angepinnt: Mit dem Namen der Ausstellung im Stadtmuseum „Die Stadt ist weiblich.“ Und mit den Fragen: „Wer pflegt die Stadt?“ und „Wie pflegt man seine Stadt?“
Über den verwelkten Blumen zum Fukushima-Gedenken werden aus buntem, japanischem Papier gefaltete Kraniche an die Säule angebracht.
Mittags. Die Ecke wir belebter. Mehr Leute bleiben kurz stehen, schauen, fragen.
Eine Frau, die in dem japanischen Gebäude arbeitet, reagiert aggressiv auf den Namen der Ausstellung.
„Die Stadt ist weiblich“ sei sexistisch. Sexismus in Reinkultur. Und dagegen habe sie ihr Leben lang gekämpft. Sie beschwert sich bei anderen, dass die „Macher“ der Aktion keine Stellung nehmen. Dann erst fragt sie, was Susanne Troesser sich dabei gedacht hat. Es entspinnt sich eine aufgeladene Diskussion über geschlechtsspezifische Rollenzuschreibungen. Tatsächlich erscheint der Name der Ausstellung ein bisschen – sagen wir es mal positiv - retro.
Eine weitere Passantin, die einen Kinderwagen schiebt, findet die Aktion unökologisch, da die Malerei aus Kreide vom nächsten Regen abgewaschen werde und damit Farbe verschwendet wird. Sie hätte es lieber gesehen, wenn man direkt haltbare Farben verwandt hätte. Ein Kompliment, dass ihr die Malereien gefallen?
Eine dritte Frau interessiert sich sofort sehr für den Pavillon und das, was er aus dem Platz macht. Sie selbst hat Erfahrungen mit Kunst und Künstlern, erzählt, wie sie letzteren durch Feng Shui zum Erfolg verholfen habe. Sie ist an weiteren Informationen interessiert.
Am Nachmittag, als die Aktion zu Ende geht, ist der Platz fast zur Gänze bemalt. Das fällt auf.
Auch, weil das nicht – mehr - üblich ist. Die Straßenmaler sind aus den Städten verschwunden. Und die Kinder, die Hüpfkästchen malen, tun das nicht an der Immermann / Ecke Charlottenstraße.
Und noch was fällt auf: Die Leute, die stehen bleiben und sich einmischen, sind hauptsächlich Frauen. Sie scheinen geradezu ein Ventil zu suchen, ihre Meinung zu sagen, gehört zu werden. Vielleicht suchen sie Aufmerksamkeit, genau wie sie aufgemerkt haben. Der Pavillon lenkt diese Aufmerksamkeit auf den Platz und damit auf die Frauen. Ist die Stadt am Ende doch weiblich?

Petra Welzel